Bericht zur Starparty 2004 auf dem Gurnigelpass

von Manuel Jung

Freitag

Als ich um ca. 14 Uhr beim Berghaus Gurnigel eintreffe, sind bereits drei belgische Amateur-Astronomen auf dem Gurnigelpass eingetroffen. Trotz Hochsommer ist eine warme Jacke angesagt, da uns ein flotter Wind um die Ohren pfeift. Zwei übereinanderliegende Wolkenschichten sowie gelegentliche Regenschauer lassen wenig Hoffnung auf eine klare Nacht aufkommen. Ich verbringe deshalb den Nachmittag im Berghaus bei angeregten Diskussionen über verschiedenste Themen der praktischen Astronomie. Besonders interessant finde ich jeweils die neusten Astrofotos der Kollegen sowie die Abenteuer, welche mit ihrer Anfertigung verbunden waren.

Bald ist Abend und das Restaurant mittlerweile halb voll mit Hobbyastronomen - vorwiegend aus der Schweiz und aus Deutschland. Das gemeinsame Nachtessen mundet gut und im Anschluss daran wird der Erfahrungsaustausch im separaten Starparty-Aufenthaltsraum fortgesetzt. Auf besonderes Interesse stösst dabei der von Urs mitgebrachte Orion 80 mm ED-Refraktor (f/7.5) aus chinesischer Fertigung, der trotz Discountpreis einen sehr soliden Eindruck hinterlässt und am Himmel scheinbar sehr überzeugt. Wir spekulieren darüber, bis wann die Chinesen wohl einen erschwinglichen kurzbrennweitigen 6 Zoll APO-Refraktor auf den Markt bringen. Wie erwartet bleibt das Wetter leider schlecht, so dass einem nichts anderes übrig bleibt, als sich irgendwann in den Schlafsack oder zurück ins Flachland zu verziehen.

Samstag

Wie immer erwartet uns am Morgen ein schönes Frühstücksbuffet, so dass der immer noch wolkenverhangene Himmel noch nicht allzu viele Sorgen bereitet. Am Nachmittag steht der obligate Ausflug zu Radeks Sternwarte etwas weiter vorne auf dem gleichen Bergkamm auf dem Programm. Vor knapp einem Monat hat er seine neue, 200 Kilogramm schwere K100-Montierung aus Deutschland erhalten. Wir sind alle beeindruckt von der sauberen Verarbeitung dieser Mechanik aus Edelstahl, welche bald einen 50 cm Cassegrain-Reflektor von Philipp Keller tragen wird. Zurück auf dem Gurnigelpass treffen immer mehr Starparty-Besucher beim Berghaus ein. Und sie bringen Kunde von einer guten Wetterprognose für die bevorstehende Nacht! Noch ist von blauem Himmel allerdings nichts zu sehen, so dass in aller Gemütlichkeit das Nachtessen im Berghaus eingenommen werden kann.

So gegen halb neun Uhr halte ich die Ruhe nicht mehr aus und beziehe deshalb mit meinem 40 cm Dobson eine Ecke auf dem grossen betonierten Beobachtungsplatz. Plötzlich tauchen immer mehr Autos auf dem Beobachtungsgelände auf und bald wird eifrig an den mitgebrachten Teleskopen rumgeschraubt. Während dieser Vorbereitungsarbeiten für die bevorstehende Nacht will ein Reporter der Berner Zeitung noch so einiges wissen zu diesem für Aussenstehende wohl etwas komisch anmutenden Treffen. Gegen Ende der Dämmerung ist es dann soweit. Eine Geisterhand schiebt die Wolken zur Seite und gibt den Blick frei auf einen wunderschönen SternenHimmel - vom Regen der vergangenen Tage so richtig klargefegt. Die Grenzhelligkeit wird von verschiedenen Beobachtern im Bereich zwischen 6.3 und 6.7m geschützt. Ein Vorzug dieses Platzes besteht darin, dass er über einen sehr guten Südhorizont verfügt. Viele Beobachter machen sich deshalb als erstes daran, die schönen Objekte des Südhimmels abzugrasen. Vor allem die Gasnebel im Schützen vermögen angesichts der transparenten Luft zu begeistern. Der Schwannebel M 17 ist z.B. im 40er Dobson eine wwahre Freude. Selbst die lange Sculptor-Galaxie (NGC 253) kann trotz ihrer tiefen Lage (-25° Dekl.) problemlos im Feldstecher erblickt werden. Dasselbe gilt für den Helix-Nebel im Wassermann. René und Bruno lassen sich von diesem regen Beobachtungstreiben nicht beeindrucken und gehen unbeirrt ihrer Astrofotokunst nach. Wie jedes Jahr werden sie von der Starparty beeindruckende Himmelsaufnahmen nach Hause tragen. Im Verlauf der Nacht wagt sich die Beobachtungszunft an immer schwierigere Objekte heran, welche mit den unterschiedlichsten Teleskopen angepeilt werden. Neben den vielen Dobsons laden auch einige exzellente Refraktoren von Takahashi, Zeiss, Pentax und Astro-Physics zum Durchblick, wobei der 155 mm EDF-Refraktor von Thomas innerhalb der Refraktor-Welt die beeindruckendsten Bilder liefert. Aber auch ein guter Feldstecher vermag heute Nacht dem Himmel so einige schöne Anblicke zu entlocken. Ein 10x50er zeigt z.B. problemlos den Nordamerikanebel und den Dunkelnebel Barnard 168 im Schwan. Die aufgehende Venus erinnert uns daran, dass eine unvergessliche Beobachtungsnacht leider bald zu Ende geht. Ich selber beschliesse sie so gegen 5 Uhr morgens mit einem Blick auf den Eskimonebel (NGC 2392) in den Zwillingen.

Die nächste Starparty findet vom 2. - 4. September 2005 statt und alle Interessierten sind dazu herzlich eingeladen.

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