Die 13. Starparty 2001 (17. - 19. August 2001)

Text & Fotos: Manuel Jung














Freitag

Ein mit dichten Wolken verhangener Himmel verheisst für die Nacht von Freitag auf Samstag wenig Gutes. Die am Freitag Nachmittag anreisenden Starpartygäste lassen sich zum Glück wenig anmerken. Entweder gönnt man sich ein Mittagsschläfchen oder arbeitet bereits eifrig an seinem Teleskop. Beim Nachtessen im Berghaus sind bereits ca. 20 Personen zugegen, welche es sich bei ersten astronomischen Fachsimpeleien kulinarisch gut ergehen lassen. Bei dieser Gelegenheit sei ein grosser Dank an Ueli und Anita Thierstein und ihr Gastroteam ausgesprochen, welche die Starparty in dieser Form überhaupt erst möglich machen. Gegen Mitternacht äussert ein erfahrener Himmels- und Wetterbeobachter erstmals die Vermutung, dass der Wolkenvorhang eventuell doch noch aufgehen könnte und möglicherweise in Richtung Feiburg bereits offen sei. Ein paar unentwegte Beobachter zögern nicht lange und machen sich unverzüglich daran, die kleine Chance zu packen. Nach kurzer Zeit überqueren drei teleskopbeladene Autos den Gurnigel-Pass Richtung Schwarzenburg. Und tatsächlich: Nach ca. 10 Minuten Fahrt zeigen sich erste Wolkenlücken. Rasch bereichern zwei 25- und ein 32 cm Dobson-Teleskop eine Ausweichstelle der Passstrasse und geben den Blick auf die ersten Deep Sky Objekte der Starparty frei. Nach ca. einer halben Stunde erreicht uns das Gerücht, dass mittlerweile auch der Himmel über dem Gurnigel-Pass offen sei, was die anwesenden Beobachter unverzüglich ihre Teleskope wieder zusammenpacken lässt. 20 Minuten später kann die Beobachtungsnacht auf dem Gurnigelpass weitergehen. Der Himmel ist tatsächlich aufgegangen und gehört jetzt ganz den anwesenden Photonen-Kollektoren. Der Vorteil gehört dabei einem 15" Dobson-Teleskop von Obsession, welches mit einem Binoviewer bestückt sehr ansprechende Bilder liefert, sowie einem extra aus Tokio eingeflogenen Ninja 40 cm Leichtgewichtsdobson. Mr. Kasai schraubt die Vergrösserungen rasch auf 450 mal hoch, was nicht nur sehr schwache Galaxien deutlich hervortreten lässt, sondern auch zeigt, dass die Montierung ihrer Aufgabe gewachsen ist. Golf von Mexiko mit O3-Filter, Stephans Quintett, NGC 253 sowie M13 und M15 sind einige der beobachteten Objekte, an welchen sich wiederum klar zeigt, dass an einer grossen Öffnung für die visuelle Deep Sky Beobachtung so rasch nichts vorbeiführt. Gegen drei Uhr morgens ist zudem Saturn in respektable Höhen geklettert, womit auch die Planetenfreaks noch auf ihre Rechnung kommen. Bis zur Dämmerung wird eifrig durchbeobachtet, womit wir wider erwarten bereits zu einer Beobachtungsnacht gekommen sind.

Samstag

Bei strahlender Sonne geniessen die meisten so ab zehn Uhr das Morgenessen auf der Terrasse des Berghauses. Die Erlebnisse der letzten Nacht werden nochmals in Erinnerung gerufen. Da der Himmel zudem für die kommende Nacht viel Gutes verspricht, sind alle in bester Laune. Später entwickeln sich auf dem Beobachtungsplatz interessante Gespräche um Teleskope und Himmelsbeobachtung. Zahlreiche deutsche Sternfreunde sind bereits oben, da sie mit ihren Wohnmobilen gekommen waren. Ronald Stoyan vom 'interstellarum' hat sogar einen kleinen Stand aufgebaut und lässt alle Interessenten in den sehr schönen ersten Ausgaben des auferstandenen Heftes für aktive Deep Sky Beobachter rumblättern. Rasch verstreichen die Stunden des klaren Samstagnachmittags und schon ist es Zeit, sich den Vortrag von Kosmologe Prof. Burghard Lindemann anzuhören. Sein Thema ist die Entfernungsbestimmung zu M 51 und seinem Begleiter, wobei der klare Nachweis erbracht wird, dass die zwei Galaxien nicht zusammengehören, da sie aufgrund von Messungen der Rotverschiebung 2.3 Mio Lichtjahre voneinander entfernt sind. Auch Lindemanns weitere Ausführungen zur Bestimmung des maximalen Weltalters angesichts der sogenannten Verrotung des Lichts stossen auf reges Interesse und führen im Anschluss an das Referat zu zahlreichen Gesprächen unter den kosmologisch Interessierten. Viele Beobachter haben jedoch vor allem den schönen Himmel im Kopf und stellen bereits wieder ihre Teleskope auf. Zudem reisst der Strom der ankommenden Wagen kaum mehr ab. Gegen neun Uhr abends zählen wir 43 Fahrzeuge und fast ebenso viele Teleskope: sicher ein neuer Teilnehmerrekord. Zu den grossen Dobson der letzten Nacht sind u.a. zwei 15 cm Apo-Refraktoren, ein ultrascharfer selbstgeschliffener 15 cm Newton von Markus Hägi sowie eine sehr interessante All Sky Kamera von Res Krähenbühl dazugestossen. Mit Ungeduld wird auf das Ende der Dämmerung gewartet. Doch plötzlich tauchen von Westen kommend erste Wolken auf, welche bald den ganzen Himmels überzogen haben. Gegen Mitternacht regnet es in Strömen. Wirklich Pech für all diejenigen, welche erst für die Nacht von Samstag auf Sonntag den Weg auf den Gurnigel-Pass gefunden haben. Da in den meisten Fällen eine der beiden Nächte klar ist, möchte ich deshalb empfehlen, an der nächsten Starparty (9. bis 11. August 2002) bereits am Freitag Abend auf dem Gurnigel-Pass aufzukreuzen!