Schild 1990
17.-19. August 1990 auf dem Pragelpass (Schwyz)


Samstag

Am späten Nachmittag des 18. August erreicht unser mit Fernrohr, Schlafsack und warmer Kleidung vollbeladenes Auto die Passhöhe, wo wir von Peter Stüssi bereits erwartet werden. Nach und nach treffen weitere Teilnehmer ein, bis die leider geringe Anzahl von nur sieben Sternguckern erreicht ist. Ob daran nur der leicht bewölkte Himmel schuld ist?
Die Zeit bis zum Nachtessen verbringen wir mit der Besichtigung einer Käserei in der nahegelegenen Alphütte. Der Besitzer, ein urchiger Senn, nimmt sich die Zeit uns alles zu erklären. Eindrücklich, wieviel harte Arbeit in einem Laib Alpenkäse steckt!
Beim gemeinsamen zünftigen Nachtessen werden Buchtips getauscht und Astrofotos bewundert. Zwischendurch gilt immer wieder ein Blick dem Wetter. Als es plötzlich aufklart, ist der Himmel bereits dunkel und das ruhige Licht der Sterne lässt auf gute Beobachtungsbedingungen hoffen. Nun beginnt hektisches Treiben: Im Lichtschein roter Taschenlampen werden die Instrumente ausgeladen und aufgestellt. Verschiedene Refraktoren, Schiefspiegler und ein Schmidt-Cassegrain werden auf diverse Himmelsobjekte gerichtet. Besonders Saturn ist für vergleichende Beobachtungen mit den verschiedenen Instrumententypen ein lohnendes Objekt. Doch scheinbar ist uns das Wetter in dieser Nacht nicht sehr wohlgesonnen, denn nach einiger Zeit der Beobachtung ziehen wieder Wolken auf und es bleibt uns schliesslich nichts anderes übrig, als die Teleskope schweren Herzens wieder zu verstauen. Nach einigem Fachlatein bei heissem Kaffee verkriechen wir uns schliesslich in die Schlafsäcke.

Sonntag

Am Morgen geniessen die Frühaufsteher den Tagesanbruch, der die umliegenden Bergspitzen kupferrot aufleuchten lässt. Vor der Unterkunft haben sich bereits einige Wanderer versammelt und versuchen mit Feldstechern zu erkennen, ob die kleinen Punkte am gegenüberliegenden Berghang wirklich Steinböcke sind. Hier ist die Gelegenheit für den Sternfreund! Rasch das Fernrohr mit Amici-Prisma aufgestellt und schon haben die Anwesenden Gelegenheit, einige prächtige Steinböcke «hautnah» bei der Futtersuche zu erleben. Die guten Leute sind von der Leistung des Instrumentes sehr beeindruckt und versichern im Verlaufe des Gespräches «nun doch endlich einmal die Sternwarte zu besuchen». Hoffentlich wurde dieser Gedanke auch in die Tat umgesetzt!
Gegen Mittag trennt sich die kleine Gruppe, um den Heimweg unter die Räder zu nehmen. Tschau Peter, bis zum nächsten mal!

Starparties sind eine «Erfindung» von Amateurastronomen in den USA, wo Anlässe dieser Art seit längerem sehr populär sind.
Zweck einer Starparty soll es unter anderem sein: Bekanntschaften knüpfen, Erfahrungen und Tips aller Art auszutauschen und beobachten, wobei man Gelegenheit hat, verschiedene Instrumente miteinander zu vergleichen. Nicht zu vergessen ist auch das gesellige Beisammensein mit Gleichgesinnten. Aus diesen Gründen wäre es wünschenswert, dass Starparties auch in der Schweiz mehr Freunde finden.
Da jeder nur mit seiner Anwesenheit zum Gelingen einer Starparty beiträgt, ist es Ehrensache, dass wir uns bei der Starparty '91 sehen!
(aus Orion 246, Okt. 91, von Marcus Lurati)